Porträt: Schülerfirma, Emil Molt Akademie, Berlin

Porträts

Hier finden Sie eine Auswahl der teilnehmenden Schülerfirmen:

student company of Liseum 22 "Hope of Siberia"

Our school company is engaged in the manufacture of environmentally friendly products that are completely safe for both people and the environment!
In our assortment there are: cleaning detergents, scented candles, reusable wax napkins, kits for tourists, universal healthy snacks.

The company consist of four employees: Three of them are 13 years old, and one is 16 years old.

In fact, we don’t remember exactly who the idea of this project was born from. But we can definitely say that the development of this idea began from the moment we went to rest on the nature for the first time

In fact, the development of school entrepreneurial companies is not new to our lyceum. We have created a special center for entrepreneurship of schoolchildren in lyceum 22 “Hope of Siberia”. So, I help absolutely all children who want to create their own business to go this way.

Undoubtedly, children engaged in entrepreneurial activities develop competencies that children can’t receive while studying in a regular school, such as: determination, work in a mode of high uncertainty and foresight.

Porträt: Schülerfirma, Emil Molt Akademie, Berlin

Schülerfirma, Emil Molt Akademie, Berlin

Bio-Bienen über Berlin

Die Schülerfirma Berlin Bees der Emil Molt Akademie arbeitet nachhaltig und wesensgemäß.

"Die Bienen sind so etwas wie unsere Kinder", sagt Chrisada und erntet große Zustimmung, sie müssen gehegt und gepflegt werden und sind das wichtigste überhaupt. Denn ohne sie, fügt Mascha hinzu, "würde es das Ganze hier nicht geben".
Chrisada und Mascha machen eine Ausbildung zur Kaufmännischen Assistenz an der Emil Molt Akademie in der Monumentenstraße in Berlin Schöneberg. Gemeinsam mit den anderen Schülerinnen und Schülern des ersten und zweiten Lehrjahrs betreiben sie die Schülerfirma Berlin Bees.

Honig, Kerzen und Kosmetika
Drei Bienenvölker beherbergen die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer zurzeit auf dem Gelände ihrer Schule. Aus dem Nektar produzieren sie Honig, Kerzen und nachhaltige Kosmetika wie Lippenbalsam und Handcreme. Verkauft werden die Produkte mit großem Erfolg auf Märkten und Veranstaltungen.
Die Schülerinnen und Schüler halten viel von ihren Bienen. Denn "eigentlich leisten sie mehr als wir", sagt Vincent, "sie arbeiten und wir nehmen ihnen das, was sie erarbeitet haben einfach weg". Aber – und das ist den Jugendlichen wichtig - "wir lassen ihnen so viel Honig übrig, dass sie selber auch damit arbeiten können.". Die Jugendlichen nehmen nur den Überschuss.

Nachhaltig und wesensgemäß
Die Bienen der Berlin Bees sollen so natürlich wie möglich leben dürfen. "Viele Imker behandeln ihre Bienen nicht gut," erzählt Noah, da werden Flügel getrimmt, männliche Exemplare aussortiert und die gesamte Ernte weggenommen. Die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer der Berlin Bees wollen das nicht. Wie sie in ihrem neuen Imagefilm anschaulich beschreiben, greifen sie nicht oft in die Privatsphäre der Bienen ein und "wenn doch, dann klopfen sie an." Die Schülerfirma ist deshalb auch Mitglied bei Mellifera e.V. – einem Verein für Mensch, Biene und Natur, der sich für eine wesensgemäße Haltung von Bienen einsetzt.
Doch Nachhaltigkeit hört für die Berlin Bees nicht bei einer wesensgemäßen Haltung der Bienen auf. Die Schülerinnen und Schüler achten außerdem darauf, was und wo sie für ihre Produkte einkaufen. "Über die Zulieferungskette haben die Jugendlichen sich sehr viele Gedanken gemacht", bestätigt Yvonne Walther, Lehrerin für Wirtschaft, Rechnungswesen und Schülerfirma an der Emil Molt Akademie stolz. Sodass die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer unterdessen nur noch biozertifizierte Rohstoffe kaufen - von Händlern, bei denen wirklich transparent ist, wo die Ware herkommt.
"Wir sind eine Genossenschaft, das heißt alle haben das gleiche Mitspracherecht", erklärt Noah, denn "wenn man schon eine nachhaltige Firma ist," sollte sich das auch in der Mitarbeiterpolitik widerspiegeln, finden die Schülerinnen und Schüler. Die Berlin Bees sind da wirklich sehr genau – selbst ihre Bank ist sozial-ökologisch.

Gemeinwohl Zertifikation
Gerade sind sie dabei, sich ihr ethisches Unternehmensmodell von der Gemeinwohlökonomie Berlin-Brandenburg e.V. zertifizieren zu lassen. Das Wichtigste daran, findet Yvonne Walther, ist nicht das Zertifikat, sondern der Prozess: "dass man sich selber einschätzt und kontrolliert." So kann man nur besser werden.
Auch die Jugendlichen nehmen die Nachhaltigkeit ihrer Firma sehr ernst und sind stolz darauf. Erst vor Kurzem haben sie in der Mitgliederversammlung gegen die Kooperation mit einer anderen Schülerfirma gestimmt, die sich zwar auch mit Bienen beschäftigt, aber kein Interesse an Nachhaltigkeit gezeigt hat. 
Und das obwohl auch einige der Berlin Bees privat erst mal keinen Bezug zu Nachhaltigkeit hatten. "Ich bin son null nachhaltiger Typ, wenn ich ehrlich sein soll", sagt Yakub und lacht, aber durch die Arbeit in der Schülerfirma, "habe auch ich ein nachhaltiges Gewissen bekommen. Das ist schon was tolles."
"Viele Schülerinnen und Schüler der Kaufmännischen Assistenz Klassen denken erst mal ans Geld verdienen, also profitorientiert", pflichtet Noah ihm bei. Sie wollen eine Firma machen, um Geld zu verdienen. "Bei vielen entsteht aber – ob sie wollen oder nicht – durch die Schülerfirma ein Bewusstsein für das Nachhaltige" und das würden sie später im Beruf auch anwenden, da ist sich Noah sicher. "Schließlich kennen wir ja jetzt die Folgen."

Praktische Erfahrungen
Die Arbeit in der Schülerfirma ermöglicht es den Jugendlichen ihr Wissen anzuwenden, Neues zulernen und praktische Erfahrungen zumachen, erklärt Adrian Staudacher, Lehrer an der Emil Molt Akademie und neben Yvonne Walther Mitbegründer der Berlin Bees. "Wir kommen raus aus dem Theoretischen, bestätigt Jakub "und können auch mal wirklich was machen."
Genauso wie die anderen Schülerinnen und Schüler ist auch Larissa von dem Konzept überzeugt: 
"Seit ich in der Schülerfirma bin, hab ich einfach mehr Wissen und bin auch stolz darauf, anderen Leuten davon zu erzählen." Die Arbeit in der Schülerfirma macht auf jeden Fall Spaß, ergänzt Noah und erzählt begeistert von den Messen, Innovationstagen und Workshops, die sie gemeinsam besuchen.
Im letzten Jahr haben sich die Jugendlichen zum Beispiel mit dem Imker Heinz Risse getroffen, der ihnen alles Wissenswerte über Krankheiten wie die Varroamilbe erzählte. Auch die Seminare der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung heben die Schülerinnen und Schüler hervor – hier lernen sie Nützliches rund um das Thema Schülerfirma und treffen außerdem Jugendliche von anderen Unternehmen. Das ist immer spannend.

9. Internationale Schülerfirmen-Messe
Als Nächstes fahren die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer nun zu der 9. Internationalen Schülerfirmen-Messe. Ende Februar treffen sich im FEZ-Berlin Schülerfirmen aus ganz Europa. Die Berlin Bees möchten ihre Produkte verkaufen und freuen sich besonders auf den Austausch mit den anderen Jugendlichen.
Denn die Berlin Bees wären nicht die Berlin Bees, wenn sie nicht voller Pläne für die Zukunft stecken würden – ein paar Anregungen und Tipps von anderen können da nur helfen. So wollen sie zum Beispiel ihren neuen Foliendrucker in Betrieb nehmen, um nachhaltige Getränke-to-go-Becher mit ihrem Logo zu bedrucken. Im Frühjahr wollen sie einen bunten Garten rund um ihre Bienenstöcke anlegen. Und auch einen Onlineshop wollen sie endlich eröffnen.

Berlin Bees
Yvonne Walther
y.walther(at)emil-molt-akademie.de

Emil Molt Akademie
Monumentenstr. 13 B, 10829 Berlin

Porträt: Jungmannschule in Eckernförde, Schleswig-Holstein

Bjarne-Klockemann-Interview
Bjarne-Klockemann-Interview

"Die Arbeit in der Schülerfirma prägt einen fürs ganze Leben"

Ein Interview mit Bjarne Klockemann

Bjarne Klockemann ist 21 Jahre alt und hat schon zwei Unternehmen gegründet: die RAUTECK eG und die K+D GbR. Im Moment macht er eine Ausbildung zum Mediengestalter in Berlin. Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs war er gerade für ein Auslandspraktikum in Irland.
Im Interview erzählt Bjarne von seiner Zeit in der Schülerfirma RAUTECK, wie ihn die Arbeit dort geprägt hat und warum er seine eigenen Unternehmen gegründet hat. 
Als Schüler hast du in einer Schülerfirma gearbeitet.

Kannst du kurz erzählen, was ihr da gemacht habt?

Wir haben die Schülerfirma damals im Jahr 2015 im Rahmen unseres Wirtschafts- und Politikunterrichts gegründet.
Bei uns an der Schule* haben wir keine Leistungskurse mehr gewählt, sondern Profile mit entsprechenden Schwerpunkten. Das WiPo-Profil hatte dann immer das erste Zugriffsrecht auf das JUNIOR-Jahr. Meistens wollen ungefähr die Hälfte der Schülerinnen und Schüler des Profils mitmachen, sodass auch noch Leute aus anderen Profilen dazukommen können.
Bei uns hat aber die ganze Klasse als Einheit gesagt: Jo, das machen wir! So kam es, dass wir mit 24 Leuten eine ziemlich große Firma waren und auch selbst produzieren konnten. Wir haben Flaschenöffner aus recycelten Schlosszungen hergestellt und später auch Taschen aus Autogurten.
Unsere Firma hieß RAUTECK, wir haben den Namen gewählt, weil wir fanden, dass man ihn als sehr griffiges Akronym für Recycelte Autoteile Eckernförde gut vermarkten kann. RAUTECK wurde dann auch relativ schnell ein bekannter Begriff an unserer Schule und in Eckernförde.

Wie kamt ihr denn auf diese Geschäftsidee?
Das war eigentlich ganz lustig. Ein Mitschüler von uns wollte auf der Rückfahrt eines Musikfestivals im Auto noch ein Bier öffnen – selbstverständlich auf der Rückbank. Da er aber keinen Flaschenöffner dabei hatte, hat er dann versucht mit dem benachbarten Anschnaller die Flasche zu öffnen. Das hat funktioniert, aber nur so mäßig.
Ich hab mir dann Zuhause so einen Anschnaller mal vorgenommen und hab das Plastik abgeschlagen. Darunter offenbarte sich die eigentliche Form und die ist tatsächlich wie dafür gemacht, Kronkorken zu öffnen. So ist also das Eine zum Anderen gekommen und unsere Geschäftsidee war geboren.

Und woher hattet ihr die Anschnallgurte?
Wir haben die Schrottplätze in der Umgebung abgegrast. Letztendlich war es aber so, dass wir eine Verbindung zu einem Automobilartikel-Zulieferer aufbauen konnten, der uns Ausschussware geliefert hat – also von Fehl- oder Testproduktionen. Das sind riesige Mengen an Anschnallgurten, die da produziert werden und dann gar nicht zur Verwendung kommen. Eine unglaubliche Menge an Müll.

War euch der Nachhaltigkeitsgedanke wichtig oder war das eher Zufall?
Auf jeden Fall wichtig – deshalb steckt das ja auch schon in unserem Namen drin. Das R steht für recycelt. Nachhaltigkeit war uns von Anfang an wichtig. Wir haben auch später darauf geachtet, dass wir nur einheimische Hölzer für den Stiel der Flaschenöffner verwendet haben.

Warum war euch das wichtig?        
Da gibt es verschiedene Gründe. Aber sicher ist es bei einigen die persönliche Überzeugung – das würde ich bei mir auf jeden Fall sagen. Außerdem lässt sich Nachhaltigkeit natürlich wunderbar vermarkten – ich war damals ja auch die meiste Zeit Marketingleiter. Und dann ist es auch einfach sinnvoll, vor allem als Jungunternehmer, in diesem Bereich positiv zu agieren.
Außerdem ist es so: Es ist nicht nur nachhaltig, sondern auch günstiger, wenn man recycelt. Es ist also alles zusammen gekommen: Die Überzeugung, der Preis und natürlich auch die Vermarktbarkeit.

Wie lange habt ihr in eurer Firma gearbeitet?
Das Projekt ist auf ein Jahr begrenzt. Zu Anfang des Schuljahres wird es von dem jeweiligen Schulpaten vorgestellt – also in unserem Fall von unserem WiPo-Lehrer. Es gibt dann verschiedene Wettbewerbe im JUNIOR-Jahr. Das Projekt läuft ja über die IW Junior und ist ein bisschen wie ein Wettbewerb aufbereitet: Es gibt Landeswettbewerbe, einen Bundeswettbewerb und einen Europawettbewerb.
Nach einem Jahr werden die Schülerfirmen wieder aufgelöst. Wer weiter machen will, hat die Möglichkeit neu zu gründen. So wie wir das gemacht haben. Allerdings ist man dann nicht mehr über JUNIOR versichert. Sondern hat eine richtige Firma.

Ihr habt RAUTECK also weitergeführt?
Genau – wir haben die Schülerfirma nach dem JUNIOR-Jahr neugegründet. Wir – das waren 12 Leute, die Lust hatten weiterzumachen. Zurzeit ruht das Unternehmen aber.  

Dann war also die RAUTECK eG deine erste wirkliche Firma. Du hast aber noch ein anderes Unternehmen gegründet?
Ich habe mit einem Kumpel zusammen direkt im Anschluss an die Schülerfirma ein eigenes Unternehmen gegründet – das war noch vor der Neugründung von RAUTECK. Dieses Unternehmen bauen wir jetzt nach und nach auf. Eigentlich machen wir Foto- und Videoproduktionen, zurzeit konzentrieren wir uns aber auf die Fotografie, weil ich sonst in Konkurrenz mit meinem Ausbildungsbetrieb treten würde. Ich bin deshalb momentan eher ruhender Gesellschafter.

Würdest du sagen, dass euch die Arbeit in der Schülerfirma geholfen hat, eine eigene Firma zu gründen? Oder hättet ihr das überhaupt gemacht, wenn ihr nicht vorher eine Schülerfirma gegründet hättet?
Ich glaube, wir hätten früher oder später auf jeden Fall gegründet. Jon-Vincent war auch Vorstandvorsitzender bei RAUTECK – wir sind beide einfach so, dass wir etwas selber machen wollen.
Aber es war natürlich eine enorme Hilfe, das JUNIOR-Programm durchlaufen zu haben. Gar nicht so sehr aus dem Grund, dass man dann weiß, wie bestimmte Abläufe funktionieren oder wie man zum Beispiel eine Gewinn- und Verlustrechnung aufstellt. Sondern weil die Erfahrungen in der Schülerfirma einfach unglaublich dabei helfen, Konflikte zu lösen und unternehmerisches Handeln zu stärken.
Ich finde das Wichtigste, was wir in der Schülerfirma gelernt haben, ist gar nicht so sehr das Betriebswirtschaftliche. Sondern wie löse ich Probleme – auf ganz vielen unterschiedlichen Ebenen und in ganz vielen unterschiedlichen Bereichen. Dieses Bewusstsein wird in einer Schülerfirma sehr, sehr geschärft. Das hilft enorm und es motiviert natürlich auch.

Hast du ein Beispiel für mich, welche Probleme aufgetreten sind und wie ihr sie gelöst habt?  
Da gab es unzählige. Ehrlich gesagt fällt mir spontan gar kein Spezielles ein. Im Grunde genommen sind es ja immer konträre Meinungen. Gerade in einer so großen Gruppe, wie wir sie waren, gibt es natürlich viele unterschiedliche Ansichten. Damit wir in der Diskussion und Entscheidungsfindung vorankamen, haben wir unsere Struktur in einem Organigram festgelegt und entsprechende Zuständigkeiten und Kompetenzen verteilt. Wichtig war, sich auf andere Meinungen einzulassen und manchmal auch mitzutragen, obwohl man es selber vielleicht etwas anders gemacht hätte. Kompromissfähigkeit ist das A und O, wenn man in einer Gruppe erfolgreich zusammenarbeiten möchte.  

Das hilft einem ja eigentlich auch außerhalb des Berufslebens.
Genau, die Arbeit in der Schülerfirma prägt einen fürs ganze Leben. Die Erfahrungen, die man da macht, helfen einem in jedem Lebensbereich und in jedem Lebensabschnitt – davon bin ich überzeugt, auch wenn ich erst 21 bin. Diese Art der Konfliktlösung hilft einem ja auch privat. Wenn ich das Gefühl habe, nicht mehr weiterzukommen, versuche ich immer das Problem auf unterschiedlichen Wegen zu lösen und schöpfe dabei aus all meinen Erfahrungen, die ich das JUNIOR-Jahr über machen durfte.  
Auch das wir so eine große Gruppe waren, war sehr, sehr lehrreich. Mit 24 Leuten stets an einem Strang zu ziehen, ist nicht immer einfach. 

Würdest du anderen Schülerinnen und Schülern also raten, in einer Schülerfirma zu arbeiten?
Auf jeden Fall, das würde ich jedem raten. Das Schöne an einer Schülerfirma ist ja auch, dass man noch selbst entscheiden kann, wie viel man sich einbringt.
Wenn man richtig gründet, muss man dann voll hinter der Sache stehen und die ganze Verantwortung übernehmen. Bei einer Schülerfirma kann man seinen Einsatz noch mehr regulieren: Hast du Lust mehr Verantwortung zu übernehmen, dann kannst du das eben tun und dich für höhere Aufgaben in der Schülerfirma qualifizieren. Genauso gut kannst du aber auch sagen, es reicht mir, wenn ich zum Beispiel 3 Stunden in der Woche für das Unternehmen arbeite. Das ist eine ganz gute Übung.  

Hast du 1,2 Tipps für andere Schülerinnen und Schüler, die eine Schülerfirma gründen wollen?
Unser Schulpate hat ganz am Anfang des Projektes gesagt: Ihr werdet euch streiten. Ich würde gerne hinzufügen: Und das ist gut so. Denn genau deswegen macht man dieses Projekt auch. Um zu lernen, wie man fair miteinander streitet. Wichtig ist nur, dabei nicht persönlich zu werden, sowohl auf der aktiven als auch der passiven Seite. Eine Schülerfirma ist in gewisser Weise ein Versuchslabor -  und man tut gut daran aufzupassen, dass die Türen fest verschlossen sind, wenn man es verlässt. Denn nichts ist tragischer, als wenn Dinge, die im Kontext der Schülerfirma stehen, sich negativ auf andere Bereiche oder Beziehungsebenen auswirken.

Habt ihr als Schülerfirma auch an Messen oder ähnlichen Veranstaltungen teilgenommen?
Ja, an vielen.

Was denkst du, bringen Messen und andere Veranstaltungen?
Man lernt professionell aufzutreten, sowohl als Einzelperson, als auch in einer Gruppe. Solche Veranstaltungen stärken auch immer das Gemeinschaftsgefühl. Darüber hinaus kann man je nach Veranstaltung natürlich auch gut networken. Und letztenendes lernt man in der Regel ja auch was. Trotzdem sollte man sich von solchen Ereignissen nicht blenden lassen und das Kerngeschaeft im Blick behalten.

Lieber Bjarne, vielen Dank für dieses schöne Gespräch. Abschließend noch die Frage: Woran erinnerst du dich am liebsten zurück?
Das ist tatsächlich schwierig, ein einziges Highlight kann ich gar nicht festmachen. Man lernt sich ein Stück weit neu selbst kennen. Es macht Spaß, Talente an einem selbst zu entdecken, die man vorher noch nicht kannte. Die Wettbewerbe und die gemeinsamen Unternehmungen waren immer Highlights. Sich als Schülerfirma auf den Veranstaltungen zu präsentieren, das vorzustellen, was man in intensiver Vorarbeit als Gruppe vorbereitet hatte, das hat schon Spaß gemacht.

Habt ihr denn auch einen Wettbewerb gewonnen?
Ja, ja wir haben alle Wettbewerbe im Rahmen des JUNIOR-Jahres gewonnen. Einen weltweiten Wettbewerb gibt es nicht, aber alle anderen haben wir gewonnen, auch den Europawettbewerb. Wenn man so will, war der natürlich der absolute Kick. Vor allen Dingen, weil es für uns wirklich, wirklich überraschend kam. Das war natürlich klasse, aber das ist nicht das, was im Endeffekt das ganze Projekt ausmacht. Das wichtigste sind die Erfahrungen und das sage ich nicht einfach so.

Interview
Bjarne Klockemann, ehemaliger Schüler

Porträt: Schülerfirma Nitrotoxy, Lich in Hessen

Schülerfirma Nitrotoxy, Lich in Hessen
Foto: Bernhard Krenig

Was Algen können!

Die Schülerfirma Nitrotoxy aus Lich in Hessen forscht an regenerativen Energien

Manchmal tanzen sie, oft quatschen sie und zwischendurch machen sie ihre Späße. Meistens aber arbeiten die Schülerinnen und Schüler der Dietrich-Bonhoeffer-Schule konzentriert. "Wir haben jede Menge Spaß", betont Samira, Bernhard Krenig und Enno geben ihr Recht. Die gute Stimmung ist ein Grund für ihren Erfolg, da sind sie sich sicher.
Samira und Enno arbeiten in dem JUNIOR Unternehmen Nitrotoxy. Gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern haben sie die Schülerfirma zu Beginn des Schuljahres gegründet. Begleitet von ihrem Lehrer Bernhard Krenig arbeiten sie nun daran, aus Algen erneuerbare Energien herzustellen. Und zwar so, dass ihre Idee auch in abgelegenen Gegenden der Welt genutzt werden kann.

Alkohol aus Algen
Raps, Mais und Weizen, aus denen erneuerbare Energien gewonnen werden können, benötigen große landwirtschaftliche Nutzflächen und stehen so in Konkurrenz mit Nahrungsmitteln. Das wollten die Schülerinnen und Schüler nicht. Günstig soll ihr Modell sein und mit einfachen Mitteln umsetzbar.
Nach anfänglichen Überlegungen zu Erdgas kamen die jungen Forscherinnen und Forscher deshalb dann auf Algen. Genauer gesagt Blaualgen, denn die produzieren Alkohol. Mit diesem Ethanol kann ein Stirlingmotor betrieben werden, der wiederum elektrische Energie erzeugt.
Der Stirlingmotor ist, wie Enno, technischer Leiter bei Nitrotoxy, erklärt, ein guter Motor. Ohne weitere Zwischenschritte verwandelt er den Alkohol der Blaualgen in elektrische Energie. Das ist ein großer Vorteil gegenüber anderer Anlagen. Gas zum Beispiel muss immer erst aufbereitet werden. Ein Grund, warum der Stirlingmotor gerade eine Art Comeback erlebt.

Nachhaltigkeit als wichtiger Aspekt
"Ich habe mich vorher schon für Maschinen, Motoren und Energien interessiert", erzählt Enno, aber das war nicht der einzige Grund, warum er sich für die Mitarbeit in der Schülerfirma entschieden hat. "Die Erde hat nur begrenzte Ressourcen, da sollten die Menschen langsam lernen diese effizient zu nutzen", formuliert er druckreif.
Auch Samira liegt der Nachhaltigkeitsgedanke am Herzen. "Ich finde es wichtig, etwas für die Umwelt zu tun und um zu zeigen, dass jeder etwas machen kann". Die Schülerinnen und Schüler engagieren sich gerne in ihrem Unternehmen, auch wenn die meiste Arbeit außerhalb der Schulzeit stattfindet.
Abgesehen davon, dass sie im Unterricht nie so viel über Algen und erneuerbare Energien gelernt hätten, machen sie in der Schülerfirma noch ganz andere Erfahrungen. "Wir wissen jetzt, wie das in der Wissenschaft ist", sagt Samira lachend: Bevor es wirklich losgeht mit dem Forschen, müssen Anträge gestellt und Geld organisiert werden.

Schüler und Lehrer
Als Rechtsform haben die Jugendlichen eine Genossenschaft gewählt. Dieses Prinzip entspricht einfach am Besten dem Teamgeist, der ihnen so wichtig ist, erklären Samira und Enno. Denn in einer Genossenschaft hat jeder das gleiche Mitspracherecht.
"Als betreuender Lehrer lernt man die Schülerinnen und Schüler in so einer Schülerfirma auf eine ganz andere Art und Weise kennen", betont Bernhard Krenig. "Außerdem ist es toll zu sehen, wie sie freiwillig und höchst produktiv zusammenarbeiten. Ich komme aus der Wissenschaft und fand immer, dass die Leute in der Forschung einen tollen Umgang miteinander haben. Dieses kollegiale Miteinander ohne Konkurrenzverhalten, das habe ich hier in dieser Schülerfirma wiedergefunden."
Natürlich gibt es auch bei Nitrotoxy einen Geschäftsführer und einen technischen Leiter, auch Aufgabenbereiche wie Verwaltung und Repräsentation haben die Schülerinnen und Schüler untereinander aufgeteilt. Trotzdem besprechen die Jugendlichen anfallende Arbeiten immer wieder aufs Neue und stimmen sich ab.

Gemeinsam zur Schülerfirmenmesse
Die gute Stimmung in der Firma ist auch ein Grund, warum die Schülerinnen und Schüler sich auf die 9. Internationale Schülerfirmenmesse freuen. Gemeinsam nach Berlin fahren wird sicher toll, sagen sie. Trotz allem Spaß stehen aber auch hier ihre Forschungen im Vordergrund.
Zwei Algenzuchtanlagen wollen sie mit auf die Messe nehmen. Die jungen Forscherinnen und Forscher wollen sich so professionell präsentieren und ihre Arbeit vorstellen. Sie wollen in Berlin nicht nur Kontakte zu anderen Schülerfirmen knüpfen, sondern die Messe auch nutzen, um regenerative Energien ins Bewusstsein der Menschen zu rücken.
Und danach? Gibt es nach wie vor viel zu tun: Gerade haben die Schülerinnen und Schüler die Genehmigung bekommen, eine Holzhütte auf dem Schulgelände zu bauen. In dem neuen Raum können sie dann mehrere Algenzuchtanlagen auf einmal betreiben. Denn auch wenn das Prinzip schon funktioniert, die Schülerinnen und Schüler von Nitrotoxy sind mit ihren Forschungen noch lange nicht am Ende: Sie wollen die  Algenzuchtanlage optimieren und den Stirlingmotor an die Anforderungen des Ethanols anpassen.
Eine Algenzuchtanlage haben die Jugendlichen übrigens schon verkauft – nach Kolumbien. Im Sommer soll sie ausgeliefert werden. Und auch zwei Schulen aus Deutschland haben Interesse an ihrem System angemeldet. Die Schülerinnen und Schüler von Nitrotoxy scheinen auf einem guten Weg und erneuerbare Energien im Kommen.  

Nitrotoxy
Bernhard Krenig

Dietrich-Bonhoeffer-Schule
Dietrich-Bonhoeffer-Straße 2
35432 Lich