Nachgefragt

Wie funktionieren Schüler*innenfirmen genau? Was lernen Schüler*innen in den Projekten fürs Leben? Und ist das überhaupt für alle geeignet? Wir haben nachgefragt: Antworten gaben Elke Neumann, Projektleitung Schüler-Unternehmen bei der DKJS, Asli Karabenli, Projektmanagerin Schülerfirmenbetreuung in Ostdeutschland bei IW JUNIOR und Thorsten Schöler von der Servicestelle Schülerfirmen bei KoBra.net.

Asli Karabenli, IW JUNIOR

Eine Schülerin macht Karriere

Bevor sie anfing bei der IW JUNIOR Schüler*innenfirmen zu betreuen, hatte sie selber eine: Asli Karabenli (27) erklärt, warum diese spezielle Erfahrung ein Leben lang wichtig bleibt.

Liebe Asli, wie lange bist du schon bei der IW JUNIOR?
Seit 2015, ich bin jetzt 27 und im siebten Jahr bei der IW JUNIOR am Start. Ich war bisher studentische Mitarbeiterin in verschiedenen Bereichen. Dann war ich für Tech und Digitales zuständig. Jetzt wird es für mich Zeit für einen weiteren Schritt: seit Juni bin ich Projektmanagerin u.a. für die JUNIOR Schülerfirmenbetreuung in Ostdeutschland. Ich betreue nicht nur Berlin, sondern auch Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern.

Deinen ersten Kontakt mit den JUNIOR-Programmen hattest du aber noch früher, oder?
Genau. In der 11. Klasse war ich selbst Teil einer Schüler*innenfirma und nahm am Landeswettbewerb Berlin teil. JUNIOR richtet eigene Wettbewerbe aus, in den Bundesländern und bundesweit. Ich war 17 Jahre alt und wir fuhren nach gewonnenem Landeswettbewerb zum JUNIOR Bundeswettbewerb nach Hamburg, sozusagen um in der Erwachsenenwelt zu bestehen. Das war für mich und wahrscheinlich für alle damals sehr aufregend.

Und was für eine Firma wart ihr?
Mein JUNIOR Unternehmen hieß „Roadbeats“ und war vom Luise-Henriette-Gymnasium in Berlin. Unser Produkt war das Soundbike, die Geschäftsidee aber eigentlich eine Dienstleistung. Die Idee war, zwei fette Boxen und ein Mischpult an eine LKW-Batterie anzuschließen und das Ganze dann auf ein Fahrrad zu montieren. Dieses Gerät haben wir dann vermietet. Für Partys, Demos und andere Zwecke.

Ihr habt den Landeswettbewerb damals gewonnen...
Ja! Das war sehr wichtig für mich. So etwas zu erleben, sich der Herausforderung zu stellen und zu bestehen, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Deswegen befasse ich mich auch immer noch so gerne mit dem Thema.

Und wie ging es anschließend für dich weiter?
Als das Jahr rum war, dachte ich mir: „Das kann es ja jetzt nicht gewesen sein“. Es gibt bei JUNIOR für alle Ehemaligen ein Netzwerk, das JUNIOR Alumninetzwerk. Das ist bombastisch groß: In Europa gehören rund 30 Länder dazu, weltweit sind es noch mehr. Die Mitglieder tauschen sich auf einer eigenen Online-Plattform aus. Dabei kann es um alles Mögliche gehen. Natürlich sind auch viele Unternehmer*innen dabei, die nach der Schule etwas gründen oder einfach mit dem weitermachen, was in den Schulprojekten entstanden ist. In diesem Netzwerk bin ich jedenfalls sehr aktiv. Ich war lange im Vorstand und kümmerte mich zum Beispiel um die Kommunikation. Jetzt bin ich bald zehn Jahre lang aktives Mitglied. Zwei Jahre nach dem Abi habe ich dann bei JUNIOR als studentische Mitarbeiterin angefangen, das war 2015.

Sieht ja so aus, als würdest du noch eine Weile bleiben.
(Lacht) Stimmt!

Erinnerst du dich daran, wie du das erste Mal von der Idee der Schüler*innenfirma gehört hast?
Sehr gut sogar. Es gab an meiner Schule ein JUNIOR Unternehmen, das mit seinen leuchtenden Schnürsenkeln von Klasse zu Klasse gegangen ist und Werbung gemacht hat. Die hatten sich ganz kompliziert eine chemische Formel ausdenken müssen, um ihre Schnürsenkel zum Leuchten zu bringen. Als Verpackung dienten Reagenzgläser. Da war mir sofort klar, dass ich so etwas in der Art auch machen wollte. An Wirtschaftserfahrung hat der Schulunterricht in der Regel ja nicht viel zu bieten, höchstens verkauft man vielleicht mal Waffeln. Außerdem haben meine näheren Freund*innen auch mitgemacht. Das macht dann natürlich viel Spaß.

Wie kam das eigentlich bei deinen Eltern an?
Schüler*innen, die zusammen ein Unternehmen aufbauen, sind keine Selbstverständlichkeit. Meinen Eltern war glaube ich unklar, inwiefern das zur Schulzeit passt. Aber die Zeit in der Schüler*innenfirma wurde in meinem Fall sogar benotet und floss ins Abi mit ein, das war natürlich hilfreich. Und als meine Eltern merkten, worum es da ging, haben sie mich sehr unterstützt. Unterstützung ist wichtig. Die bekommt man auch von der Lehrkraft, oder eben durch uns bei JUNIOR. Aber auch durch die anderen Firmenmitglieder und die Mitschüler*innen. Das ist ein Geben und Nehmen, denn umgekehrt unterstützt man seine Mitschüler*innen ja auch.

Wie würdest du zusammenzufassen, was du bei der Schüler*innenfirma gelernt hast?
Für Motivation zu sorgen, das Team zusammenzuhalten und Aufgaben zu delegieren. Skills wie Vorträge halten, zu repräsentieren und nicht nur zu präsentieren. Das Mindset „Nichts ist zu groß“. Und auch vor Wirtschaftsvertreterinnen und -vertretern zu sitzen. Da fühlt man sich ja erstmal sehr albern und klein, aber dieser Rahmen war so schön gespannt, dass man schnell das Gefühl bekam, ebenbürtig zu sein. Das gibt einem Selbstbewusstsein und hilft mit dem Auftreten.

Wie haben sich Schüler*innenfirmen seitdem weiterentwickelt?
Auf jeden Fall sind die Firmen insgesamt professioneller geworden. Zu meiner Zeit gab es noch selbstgemalte Plakate, so etwas gibt es heute zumindest im JUNIOR-Rahmen eigentlich fast gar nicht mehr.

Und für wen ist das? Ist das für alle?
Schüler*innenfirmen sind für alle. Wir sprechen alle Altersgruppen an, es gibt sogar ein Grundschulprogramm. Einiges hängt natürlich ein bisschen vom Engagement der Lehrkräfte ab. Wir unterstützen mit Workshops und Unterrichtsmaterial und bieten Beratungs-Hotlines an, die jeden Tag für die Schüler*innen und Lehrkräfte erreichbar sind. Ich würde Schüler*innenfirmen auch wirklich allen empfehlen. Klar, ob du an einer Förderschule, an einem Oberstufenzentrum, einem Gymnasium, einer Gesamtschule oder an einer Grundschule bist, macht einen Unterschied, aber den Mehrwert hast du in jedem Fall. Und ob du beim Wettbewerb teilnehmen willst oder nicht, ist ja dir überlassen.

Was willst du mit JUNIOR und den Schüler*innen erreichen?
JUNIOR ist eine Art Brücke. Vielleicht ist man daran interessiert, ein Unternehmen zu gründen. Oder auch nicht. Vielleicht macht man nur mit, um eine neue Erfahrung zu machen. Und vielleicht entdeckt man dabei eine Stärke an sich. Oder findet heraus, was und wie man arbeiten möchte. Über unser Alumninetzwerk lernt man berufserfahrene Menschen kennen und erhält wertvolles Feedback. Die Alumni führen zu Beginn des Schuljahres auch häufig Einführungsworkshops durch. Das sind alles wichtige Punkte. Ganz besonders freue ich mich natürlich, wenn wirklich ein Unternehmen aus einer Schüler*innenfirma erwächst. Das würde ich als Idealfall beschreiben. Aber es ist nicht der einzige Fokus. Vorrangig wollen wir Wirtschaft erlebbar machen und Jugendliche dafür begeistern.

Weitere Informationen:
Homepage der IW JUNIOR Informationen für Lehrkräfte
https://www.junior-programme.de

Kontakt:
Institut der deutschen Wirtschaft
JUNIOR gGmbH
Postfach 10 19 42
50459 Köln
Tel.: +49 (0)221 | 4981-707
junior(at)iwkoeln.de

Elke Neumann, DKJS

Wie eine richtige Firma

Wie finanzieren sich Schüler*innenfirmen eigentlich? Sind das wirklich richtige Firmen, die bankrottgehen können? Elke Neumann, Programmleiterin Berliner Schüler*innen-Unternehmen bei der DKJS, weiß Antworten.

Liebe Elke, jetzt mal ehrlich: Schüler*innenfirmen? Sind das denn wirklich richtige Firmen?
Sind sie. Weil sie genauso funktionieren wie richtige Firmen. Sie gründen auf einer Geschäftsidee, entwickeln Produkte und Dienstleistungen, müssen Buchhaltung führen, sich ein Marketing überlegen, Mitarbeiter*innen für sich begeistern. Und das ist das Besondere daran: Die Schüler*innen erleben in dieser Lehrform die unmittelbare Praxis der Arbeit in einem Unternehmen. Von daher sind Schüler*innenfirmen richtige Unternehmen, aber gleichzeitig auch pädagogische Schulprojekte, die im Schutzraum Schule stattfinden.

Wie finanzieren sich diese Schüler*innenfirmen denn eigentlich? Braucht nicht jede Firma ein Startkapital?
In der Regel wird für den Anfang gar nicht so viel Geld gebraucht. Wenn eine Firma einmal läuft, finanziert sie sich selbst. Wenn die Schüler*innen zum Beispiel ein Café gründen wollen, brauchen sie dafür ja nur das schon vorhandene Angebot an ihrer Schule zu nutzen. In aller Regel verfügen Schulen ja über vollausgestattete Lehrküchen, die könnten sie nutzen. Und um an das Startkapital zu kommen – für den ersten Einkauf vielleicht: Da lassen sich die Schüler*innen die verschiedensten Dinge einfallen. Das reicht vom Sponsorenlauf über den Kuchenbasar bis hin zum Spendenaufruf an Lehrer*innen und Eltern.

Kann denn so eine Schüler*innenfirma auch bankrott gehen?
Das kann sie durchaus. Es ist bei Schüler*innenfirmen so, dass das Unternehmen nicht den Lehrkräften, sondern den Jugendlichen gehört. Und Misserfolge sind durchaus gewünscht. An der Schule geht es sonst darum, erfolgreich zu sein und gute Noten zu kriegen. Aber in der Schüler*innenfirma ist das ein bisschen anders. Das ist für die Lehrkräfte manchmal schwierig: plötzlich sollen sie sich zurücknehmen, auch wenn im Zweifelsfall die Schüler*innen mal eine Fehlentscheidung treffen. Das kommt allerdings gar nicht so oft vor, weil das meist ein so überschaubarer Rahmen ist, dass da gar nicht so viel schiefgehen kann. Vor drei Jahren haben wir unseren jährlichen Fortbildungstag für die Berliner Schüler*innenfirmen unter dem Motto „Scheitern erlaubt“ gehabt. Dazu haben wir dann einfach Leute eingeladen, die einen spannenden und ein bisschen verrückten Lebensweg hinter sich haben. Also Leute mit Lebensläufen, die nicht geradlinig sind. Um zu zeigen: Das geht trotzdem, dass man sich auch einfach mal ausprobiert. Dafür ist die Methode da.

Und wenn die Schüler*innenfirma Gewinne einfährt, was passiert dann mit diesem Geld?
Auch das sollen die Schüler*innen selber entscheiden. Sie könnten es reinvestieren oder vielleicht am Ende des Jahres ein kleines Team-Event finanzieren. Bei den Jugendlichen steht oft an allererster Stelle das Motiv, mit der Firma Geld zu verdienen. Das höre ich immer wieder, wenn wir in unseren Workshops neuen Schüler*innen begegnen. Aber es dauert nicht sehr lange, bis sie dann feststellen: reich wird man damit nicht. Das Geld verliert also schnell an Bedeutung, und andere Dinge rücken dann in den Fokus.

Dieses Jahr richten die DKJS und JUNIOR zusammen mit ihren Partner*innen die mittlerweile zehnte Schüler*innenfirmenmesse (SFM) im Berliner Erlebniszentrum FEZ aus. Das ist für die SFM also ein Jubiläum! Heißt das denn, dass es Schüler*innenfirmen erst seit zehn Jahren gibt?
Nein, die Messe findet ja nur alle zwei Jahre statt. Die gibt es also schon seit mindestens 20 Jahren. Und das Programm für die Schüler*innenfirmen gibt es bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung seit rund 25 Jahren. Die älteste Berliner Schüler*innenfirma, die ich kenne, heißt Schwittersart und wurde 1998 gegründet, ein Kunstgewerbe an der Kurt-Schwitters-Schule. Die Lehrkraft, die das angefangen hat, ist natürlich schon längst in Rente, es hat sich aber immer wieder jemand gefunden, der bereit war, das weiterzuführen.

Und ist die Schwittersart dieses Jahr auf der Messe vertreten?
Ja! Die Idee dieser Firma ist es, Kunstwerke von Schüler*innen zu verleihen und zu verkaufen, zum Beispiel an Veranstaltungen oder Gastronomien. Die Kurt-Schwitters-Schule ist eine kunstorientierte Schule. Die Idee ist entstanden, weil es dort ziemlich viele kunstbegabte junge Menschen gibt, und es so schade war, dass so viel Kunst dort entsteht, die eigentlich nie jemand sieht. Diese zum Teil ja auch wirklich sehr besondere Kunst sichtbar zu machen und etwas mit ihr anzufangen, das war da die Idee.

Weißt du, woher die Idee mit den Schüler*innenfirmen ursprünglich mal kam?
Wo genau etwas angefangen hat, ist ja immer schwer nachzuvollziehen. Was sich aber sagen lässt, ist, dass Deutschland das am besten ausgebaute Beratungsnetzwerk für Schüler*innenfirmen hat. Es gibt hier wahnsinnig viele davon, in jedem Bundesland sogar, auch wenn das überall etwas anders organisiert ist. Und wir werden ganz oft vom Ausland angefragt. Beispielsweise haben wir eine große und ziemlich gute Kooperation mit Lehrkräften aus der Ukraine. Erst vor drei Jahren gab ich Lehrer*innen in Kiew noch eine Fortbildung zu dem Thema, weil die diese Lehrmethode in die Ukraine bringen wollten, die gab es da vorher noch nicht. Wir sind auch im Austausch mit Südkorea, Belarus, Guatemala... Es gibt also international sehr großes Interesse an der Thematik, aber es fehlt vielerorts an Erfahrungen in der Praxis. Andererseits gibt es natürlich auch andere Ländern, in denen sich das ähnlich wie hier in Deutschland bereits etabliert hat. Ganz vorne mit dabei sind zum Beispiel die Niederlande, Schweden und Russland.

Werden Schüler*innenfirmen aus Russland und der Ukraine auf der diesjährigen SFM vertreten sein?
Nein, wahrscheinlich nicht. Wir mussten die Messe auch leider mehrmals verschieben, weil sie während der Pandemie kaum hätte stattfinden können. Normalerweise findet die Messe im Februar statt. Jetzt im Juni werden leider weniger viele Firmen teilnehmen als gewöhnlich.

Du leitest das Programm für Schüler*innenfirmen bei der DKJS. Kannst du erklären, wie das ins Leben kam?
Das Programm ist eines der ältesten der DKJS. Es war einfach von Anfang an klar, dass diese Lehrmethode für wahnsinnig viele Schüler*innen geeignet ist, und der Jugend Erfahrungen möglich macht, die sie in dieser Form sonst in der Schulzeit nicht macht. Außerdem erreicht die Methode auch die klassisch benachteiligten Kinder und Jugendlichen, die mit dem theorielastigen Unterricht häufiger Probleme haben, aber dafür in anderen Dingen gut sind. Und die können in ihrer Arbeit in den Schüler*innenfirmen richtig Leidenschaft und ein Verantwortungsbewusstsein entwickeln, und Erfolgserlebnisse sammeln, die ihre Selbstwertgefühle steigern und die ihnen im Frontalunterricht möglicherweise fehlen. Die DKJS hat sich das Ziel gesetzt, vor allem benachteiligte Kinder und Jugendliche anzusprechen, und die Schüler*innenfirmen eignen sich einfach ganz hervorragend dafür.

Und was genau tut die DKJS in der Praxis für die Schüler*innenfirmen?
In unserem Programm ist es so, dass wir eine Anlaufstelle sind für die Schüler*innen, die Lehrer*innen und Schulen, die eine Schüler*innenfirma gründen wollen. Wir beraten in der Regel direkt vor Ort und sind also von Anfang an mit dabei. Die meisten haben überhaupt keine Idee, wie das umzusetzen ist, was bedacht werden und wo man anfangen muss. Hinzu kommt, dass die Lehrkräfte oft ja selbst nicht sonderlich gut informiert sind über Themen wie Marketing, Rechtsformen und so weiter. Das müssen die Lehrkräfte sich dann erstmal neu erarbeiten und stehen deswegen erstmal vor vielen Fragezeichen. Wir schauen uns dann an, welche Förderungen die individuellen Schüler*innengruppen tatsächlich brauchen. Und dann erarbeiten wir mit den Lehrkräften zusammen einen Lehrplan: Wann im Schuljahr findet was statt, welche Ziele und Inhalte werden genau verfolgt? Im nächsten Schritt kommen wir an die Schulen und machen mit den Schüler*innen Workshops. Und wir organisieren berlinweite Veranstaltungen, auf denen die Lehrkräfte und die Schüler*innen sich austauschen und kennenlernen, Input bekommen und voneinander lernen können.  

Mal angenommen, ich hätte eine eigene Schülerfirma und würde an der SFM gerne teilnehmen: Helft ihr mir dann dabei, das möglich zu machen?
Genau, wir oder eine der anderen Beratungsstellen, je nachdem, in welchem Bundesland du zur Schule gehst. Wir von der DKJS sind für Berlin zuständig. Du würdest uns dann einfach schreiben und uns sagen, dass du teilnehmen möchtest, und wir würden dich dann fragen, wie viele ihr seid und ob ihr Hilfe beim Messestand braucht. Und wenn ihr anreisen und irgendwo übernachten müsst, dann helfen wir euch auch damit. Im Grunde bekämt ihr von uns jede Hilfe die ihr zur Teilnahme braucht.

Gibt es bei den Schüler*innenfirmen erkennbare Trends?
Auf jeden Fall. Mittlerweile spielt Nachhaltigkeit in fast allen Schüler*innenfirma eine wahnsinnig große Rolle. Also Fragen wie: Woher beziehen wir unsere Ressourcen? Müssen wir unsere Produkte verpacken und wenn ja, wie machen wir das? Können wir etwas Upcyclen, also Material verwenden, das sonst auf dem Müll landen würde? Und das andere große Thema ist Marketing im Social-Media-Bereich. Die Jugendlichen sind ja inzwischen alle auf den bekannten Plattformen unterwegs, haben kleine Hochleistungsrechner und Videokameras in der Tasche und gehen manchmal erstaunlich gut damit um. Da liegt es nahe, zu überlegen, wie sich das auch fürs Marketing einsetzen lässt. Und natürlich braucht jedes Unternehmen heutzutage unbedingt eine Internetseite. Da sind dann zwar rechtliche Hürden gesetzt, aber dafür, uns damit auseinanderzusetzen, sind wir ja schließlich da.

Ist die Schüler*innenfirmenmesse nicht auch ein Geheimtipp für die sogenannten Talent-Scouts?
Das habe ich so noch gar nicht gesehen, aber stimmt schon, könnte sie sein.

Was muss meine Schüler*innenfirma können, um den Messe-Preis zu gewinnen?
Wir haben zwei Wettbewerbe: Einen für den besten Messestand und einen für den besten Videobeitrag. Und für beide gilt eigentlich, dass schnell zu erkennen sein soll, worum es bei euch geht. Und etwas Liebe zum Detail schadet natürlich auch nicht. Es geht nicht darum, dass alles hochwertig sein soll und auf Hochglanz poliert, sondern es geht vor allen Dingen darum, kreativ und eigen zu sein.

Weitere Informationen:
Homepage Berliner Schüler Unternehmen
Homepage der DKJS

Kontakt:
Deutsche Kinder- und Jugendstiftung gemeinnützige GmbH
Tempelhofer Ufer 11, 10963 Berlin
Elke.neumann[at]dkjs.de
Tel. 030 – 25 76 76 0

Thomas Schöler, KoBra.net

Ganz kleine Firmenchefs und Firmenchefinnen

Thomas Schöler war von Anfang an mit dabei: Seit 2004 betreut er für KoBra.net Schüler*innenfirmen in Brandenburg.

Lieber Thomas, du bist einer von sechs Berater*innen für Schüler*innenfirmen bei KoBra.net. Was ist deine Aufgabe dort?
Ich arbeite in der Servicestelle Schülerfirmen. Die gibt es in dieser Form seit 2005, was auch dem politischen Willen des Landes zu verdanken ist. Brandenburg hat sich mit der Förderung von Schülerfirmen und der Schaffung von Unterstützungsstruktur sehr weit vorgewagt. Das spiegelt sich darin wider, dass es in Brandenburg eine vergleichsweise blühende Schüler*innenfirmenlandschaft gibt. Wir werden vornehmlich vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport gefördert. Wenn ich jetzt sage, es gibt 150 Schüler*innenfirmen, dann klingt das vielleicht erstmal relativ irrelevant. Wenn man das allerdings mal auf die Anzahl der Schulen bezieht, dann lässt sich schon eher erahnen, wie das in Brandenburg ist. Man kann behaupten, dass ungefähr jede dritte weiterführende Schule in Brandenburg eine Schüler*innenfirma hat, wenngleich wir auch nicht mit allen in Kontakt stehen. Wir wissen aktuell von 150 Schüler*innenfirmen. Das ist im Vergleich der Bundesländer schon eine ziemliche Ansage.

Die Lenné-Schule in Potsdam beherbergt gleich vier solche Firmen. Das ist ja wahnsinnig viel. Wie kann das denn sein?
Die Lenné-Gesamtschule stellt schon eine Art Leuchtturm in Brandenburg dar. Schon seit weitaus über zehn Jahren machen sie dort Schüler*innenfirmenarbeit und das auf sehr hohem Niveau. Von den vier Schüler*innenfirmen, die bei der Internationalen Schülerfirmenmesse vertreten sind, sind zwei im JUNIOR-Programm tätig. In diesem Fall sind das Seminarkurse in der gymnasialen Oberstufe. Die anderen zwei Schüler*innenfirmen sind sozusagen programmfrei und finden ähnlich wie schulische Arbeitsgemeinschaften außerhalb der Unterrichtszeiten statt. Bei Bedarf arbeiten wir mit denen relativ eng zusammen. Das ist zu großen Teilen auch dem sehr engagierten Lehrer zu verdanken, der diese vier Schüler*innenfirmen eben begleitet und sehr viel Arbeit und Herzblut in die ganze Sache steckt. Wenngleich man auch sagen muss, dass die Schüler*innen, die dort mitarbeiten, auch wirklich toll sind.

Wer ist denn dieser Lehrer?
Thomas Jandt. Der war sogar mal brandenburgischer Lehrer des Jahres, ist aber sehr bescheiden, was diese Ehrung anbelangt.

Schüler*innenfirmen gibt es in Deutschland erst seit etwa 25 Jahren. Gibt es Schulen, die noch immer keine wirkliche Kenntnis über das Konzept haben?
Ich glaube, dass das für Brandenburg nicht gilt. Es mag Schulen geben, die aus unterschiedlichen Gründen keine Schüler*innenfirmen unterhalten. Das Wissen über Schüler*innenfirmen ist allerdings vorhanden, was auch daran liegt, dass das Land Brandenburg sehr viel Wert auf Berufs- und Studienorientierung legt und die Schüler*innenfirmen darin eingebettet hat.

Was könnten Gründe dafür sein, dass sich eine Schule gegen Schüler*innenfirmen entscheidet?
Das mag an der Arbeitsbelastung liegen. Die Lehrkräfte sind zum Teil über ihre Belastungsgrenzen hinaus mit dem normalen Schulalltag beschäftigt und das Betreuen einer Schüler*innenfirma stellt dann eben noch eine zusätzliche Aufgabe dar. Zum anderen gibt es auch Schulen, die einfach eine andere Orientierung haben, zum Beispiel einen künstlerisch-musischen Schwerpunkt. Wobei auch in einem solchen Fall Schüler*innenfirmenarbeit möglich wäre, aber das machen die dann nicht, weil andere Programme wichtiger sind. Dann gibt es leider auch Schulen, an denen es im Kollegium oder in der Schulleitung an Engagement fehlt.

Wie lange bist du schon bei KoBra.net?
Ich bin seit 2004 bei KoBra.net. Damals habe ich zusammen mit einem Kollegen die seit 2005 existierende Servicestelle aufgebaut, um die Unterstützung für Schüler*innenfirmen im Land Brandenburg zu bündeln und politisch abzustimmen.

Was ist das Besondere an einer Schüler*innenfirma?
Auf der einen Seite sind Schüler*innenfirmen Schulprojekte, auf der andern funktionieren sie wie Firmen im realen Leben und die Schüler*innen verdienen echtes Geld. Das mit dem Geld betrachten wir allerdings zweischneidig. Für uns ist das Ziel in erster Linie pädagogischer Natur, d.h. wir möchten Selbstwirksamkeitserfahrungen, Selbstbewusstsein und die Entwicklung von Social Skills fördern. Warum Schulen das Lernen in und mit Schüler*innenfirmen ermöglichen sollten, ist, dass es manchmal mehr bringt als der normale Frontalunterricht und auch mehr Spaß macht. Wir beobachten regelmäßig, wie sehr die Schüler*innen durch ihre Arbeit in den Schüler*innenfirmen wachsen und das merken diese auch selber, wenn sie sich beispielsweise mit Erwachsenen unterhalten oder eine Präsentation in der Schule abliefern müssen. Insgesamt kann das Lernen in Schüler*innenfirmen als sehr lebensnah beschrieben werden, was letztendlich genau unsere Motivation ist. Die Arbeit ist also letztendlich nur Mittel zum Zweck.

Entwickeln sich Schüler*innenfirmen weiter?
Schüler*innenfirmen entwickeln sich auf ähnliche Weise wie die Gesellschaft weiter. Es wird digitaler, auch die Geschäftsideen werden digitaler. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe an Projekten, die z.B. mit 3D-Druck arbeiten. Sofern es rechtlich möglich ist, werden die Vertriebswege und Angebote digitaler. Teilweise gibt es Online-Plattformen von den Schüler*innenfirmen. Die Kommunikation hat sich ebenfalls – auch durch den Einfluss von Corona – verändert. Eine weitere Entwicklungslinie ist, dass sich Grundschulen zwar noch auf recht niedrigem Niveau mit der Thematik und dem pädagogischen Ansatz auseinandersetzen, sich aber zunehmend dafür interessieren. Und dass im Allgemeinen die Schüler*innenfirmenlandschaft breiter wird.

Bildet das Programm nicht eigentlich lauter kleine Kapitalist*innen aus?
Nein, eigentlich nicht. Die Social Skills, die wir in der Entwicklung setzen, sind in der Hinsicht genau gegenläufig. In der Regel arbeiten die Schüler*innen sehr solidarisch miteinander. Auf der Oberfläche mag der Kapitalismusaspekt bei einigen ein Spiel sein. Wenn man sich zum Beispiel anschaut, wie manche der Schüler*innen in der Öffentlichkeit auftreten, dann mag das zunächst optisch so wirken, aber häufig sind die Schüler*innen auch kapitalismuskritisch eingestellt. Außerdem werden die von den Schüler*innenfirmen erzielten Gewinne sehr oft in ein gemeinsam im Team erfahrenes Erlebnis oder in karitative oder soziale Projekte investiert. In unseren Beratungen sagen wir auch explizit, dass man mit Schüler*innenfirmen nicht reich wird.Es lässt sich vielleicht noch kritisch anmerken, dass die Ungleichheiten zwischen den Schüler*innen mit den Schüler*innenfirmen nicht weggebügelt werden, obgleich wir auch bei Förderschulen aktive Schüler*innenfirmen haben. Wichtig ist auch, sich z.B. bei der Internationalen Schülerfirmenmesse ein konkretes Bild von den Schüler*innenfirmen zu machen, und dann sieht man, was das für tolle Jugendliche sind, die da mitmachen.

Was ist die jüngste dir bekannte Schüler*innenfirma?
Das sind teilweise ganz kleine Firmenchefs und vor allem Firmenchefinnen. Die jüngsten, die wir in Brandenburg haben, die mir bekannt sind, sind cirka neun Jahre alt und auf der Schwelle zwischen dritter und vierter Klasse.

Weitere Informationen:
Homepage von KoBra.net
Servicestelle Schülerfirmen

Kontakt:
KoBra.net. Kooperation in Brandenburg
Gemeinnützige GmbH
Benzstraße 8/9
14482 Potsdam
Tel: 0331 - 704 6956
Mail: info[at]kobranet.de